Karpaltunnel- Syndrom, oft gesehen – zu oft übersehen

Der Karpal-Tunnel befindet sich auf der Handflächenseite des Handgelenkes. Er wird auf seiner Rückseite von den Handgelenkknochen, dem Karpus, und auf der Handflächenseite von einem starken bindegewebigen Band (Retinakulum) gebildet. Durch diesen Tunnel ziehen neun Beugesehnen und einer der drei Hauptnerven für die Hand, der sogenannte Medianus- Nerv. Dieser Nerv ist für die Sensibilität, den Tastsinn und die Bewegung (Beugung) des Daumens, Zeigefingers, Mittelfingers und zum Teil auch des Ringfingers verantwortlich.

Die Symptome beginnen üblicherweise mit einem leichten Kribbeln (wie ´Ameisenlaufen´) im Bereich der Fingerkuppen der oben genannten Finger, gefolgt von einem leichten Taubheitsgefühl. Da diese Symptome zu Beginn der Erkrankung meistens nur nachts auftreten, werden häufig ´ungewöhnliche´ Schlafpositionen dafür verantwortlich gemacht. Das nächste Symptom ist das Fallenlassen kleiner Gegenstände wie Nähnadeln oder Geldstücke, beziehungsweise die Unfähigkeit, diese überhaupt greifen zu können. Häufig wird auch eine Kraftminderung bemerkt, so dass zum Beispiel eine Kaffeetasse nicht mehr gehalten werden kann. Im weiter fortgeschrittenem Stadium sind die gesamten betroffenen Finger permanent taub, zum Teil sogar schmerzhaft, und die Bewegung fällt schwer. Wenn weiterhin unbehandelt belassen, kann der ganze Arm bis hin zur Schulter von den Schmerzen betroffen sein.

Die Ursachen liegen meistens in einer Schwellung der Sehnenscheiden der jener Beugesehnen (Über-, Fehlbelastung, Rheuma…), die mit dem Medianusnerv in dem Karpaltunnel liegen. Diese Schwellung verursacht Druck auf den Nerv, der sich daraufhin entzündet und selbst anfängt anzuschwellen. Bei fehlender oder unzureichender Therapie kann dieser Teufelskreislauf zu ernsthaften und sogar permanenten Schäden am Nerv führen.

Dr. Alf Neuhaus, Facharzt für Orthopädie und ausgebildet in der Handchirurgie, betont das allein die Symptome eindeutige Hinweise auf die richtige Diagnose geben, die dann durch eine gezielte und spezifische Untersuchung bestätigt werden kann. Da sich die Therapie praktisch ausschließlich nach den Symptomen richtet, ist die früher oft durchgeführte elektronische Messung der Nervenleitgeschwindigkeit nicht notwendig, zumal deren Ergebnisse häufig irreführend sind. Um andere Ursachen für das Karpaltunnel- Syndrom (Kalkablagerung, Ganglion…) auszuschließen, führt Dr. Neuhaus stets eine Ultraschalluntersuchung beider Hände (zum Vergleich) in seiner Praxis Clinica SANDALF durch.

Die Behandlung besteht im Anfangsstadium der Erkrankung aus Ruhigstellung besonders über Nacht und gegebenenfalls Infiltration des Tunnels mit Kortison zur Reduzierung der Schwellungen. Manchmal kommt auch die elektronische Reiztherapie (TENS) zur Anwendung.

Im fortgeschrittenem Stadium – permanente Taubheit, Kraftminderung, Schmerzen – hilft nur noch die operative Entlastung des Karpal-Tunnels, auch um dauernden Schäden am Nerv vorzubeugen. Dr. Neuhaus führt diesen chirurgischen Eingriff ambulant unter lokaler Betäubung in seiner Praxis durch. Bei diesem Eingriff wird, nach einem kleinen Hautschnitt von etwa vier Zentimetern, das o.g. bindegewebige Band durchtrennt und somit dem Nerv wieder mehr Platz geschaffen. Falls erforderlich, wird auch die den Nerv umgebene, entzündlich geschwollene Schleimhaut teilweise entfernt. Danach wird die Haut mit einer feinen Naht geschlossen. Da dieser Eingriff unter lokaler Betäubung durchgeführt wird, können Sie direkt danach nach Hause zurückkehren.

Dr. Alf Neuhaus betont, dass nach der Operation und sofort nach Abklingen der lokalen Betäubung, mit sanften Bewegungsübungen für die Finger und Hand begonnen werden sollte, um ein erneutes Verkleben des Nerven mit dem umliegendem Gewebe zu vermeiden. Üblicherweise bessern sich Beschwerden wie Taubheitsgefühl und Schmerzen praktisch sofort. Auch die Sensibilität der betroffenen Finger sollte sich spontan bessern. Symptome wie Kribbeln oder Ameisenlaufen können jedoch noch für Monate bestehen bleiben.

Die Rückkehr zur Arbeit und auch zu sportlicher Tätigkeit sollte nach drei bis vier Wochen möglich sein. Ein Wiederauftreten des Karpaltunnels nach der ambulanten chirurgischen Entlastung ist möglich, aber sehr selten.

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