Bandscheibenvorfall: eine häufig vorschnell gestellte Diagnose

Picture of prolapsed disc

Viele kennen die Situation: Nach einer schnellen Bewegung oder dem Heben eines Gewichts treten plötzlich Schmerzen im unteren Rücken auf. Innerhalb weniger Tage können sie über das Gesäß und die Rückseite des Oberschenkels bis in die Wade ausstrahlen. Der stechende Dauerschmerz kann nachts wecken, und übliche Schmerzmittel wie Paracetamol helfen möglicherweise nicht. Häufig wird dann unmittelbar eine MRT-Untersuchung der Lendenwirbelsäule veranlasst, manchmal sogar ohne vorherige körperliche Untersuchung. Dabei findet sich oft ein Bandscheibenvorfall auf Höhe L5/S1 oder L4/5, der schnell als Ursache der Beschwerden angesehen wird.

Diese Schlussfolgerung ist jedoch nicht immer richtig. Ein im MRT sichtbarer Bandscheibenvorfall kann ein Zufallsbefund sein und muss nicht mit den Schmerzen zusammenhängen. Internationale Untersuchungen zeigen, dass Bandscheibenveränderungen auch bei Menschen ohne Beschwerden häufig vorkommen.

Schmerzen im unteren Rücken gehören zu den häufigsten Gründen für Arbeitsunfähigkeit und können viele Ursachen haben. Häufig liegt eine Reizung oder Entzündung des Ischiasnervs vor; auch Muskelverspannungen oder fortgeschrittene Veränderungen des Hüftgelenks können Beschwerden verursachen.

Der erste Schritt zur richtigen Diagnose ist eine ausführliche Befragung: Wann und wie begannen die Schmerzen, wie fühlen sie sich an, wo treten sie auf und wodurch werden sie ausgelöst oder gelindert? Anschließend folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Dr. Alf Neuhaus untersucht dabei auch die mittlere Wirbelsäule sowie beide Hüft- und Kniegelenke und achtet auf mögliche neurologische Auffälligkeiten.

Bei Patienten über 40 Jahren können zusätzlich Röntgenaufnahmen des Beckens und der Lendenwirbelsäule mit der digitalen Röntgenanlage der Clínica Sandalf sinnvoll sein, um knöcherne Ursachen auszuschließen. Je nach Befund können Physiotherapie, Akupunktur, Medikamente oder eine gezielte Infiltration der gereizten Nervenwurzel eingeleitet werden. Eine MRT-Untersuchung wird insbesondere dann erwogen, wenn die Behandlung nicht ausreichend wirkt oder bei der Untersuchung neurologische Zeichen wie fehlende Reflexe oder ein deutlicher Kraftverlust festgestellt werden.

Bei Fragen zu Bandscheibenproblemen oder anderen orthopädischen Beschwerden können Sie gerne Kontakt mit uns aufnehmen.

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